Von alt Nationalrat Rudolf Rechsteiner*, vorgetragen an der Generalversammlung der Arbeitsgemeinschaft Deutschschweiz der Freien Berufsjournalistinnen und -journalisten von impressum am 26. Juni 2010 in Basel.
1. Instant Journalismus
2. Was heute funktioniert
3. Weshalb Online Plattformen Tageszeitungen nicht ersetzen
4. Überlebensstrategien
5. Wiederherstellung der Vierten Gewalt
6. Wie kann man den Service Public der Tageszeitungen konkret organisieren?
1. Instant Journalismus
Wir nannten sie Instant-Journalisten. Zum ersten Mal gehört habe ich diesen Ausdruck von einer inzwischen zurück getretenen Basler Regierungsrätin.
Instantjournalisten sind meist junge Leute oder Praktikanten, die auf Themen losgelassen werden, mit denen sie sich nie zuvor befasst haben. Als Politiker ist man immer häufiger mit solchen Figuren konfrontiert.
Bei Interviews muss man Ihnen nicht nur die Antworten diktieren, sondern auch die Fragen, weil sie keinen blassen Schimmer haben, worüber sie schreiben.
Instant Journalisten haben Erfolg. Auch Instant Politik hat Erfolg. Auch sie verzichtet auf Differenzierung, Vorkenntnisse, Wahrhaftigkeit. Es regiert die verkürzte Wahrnehmung. Und dies gilt nicht nur für die Kurzfutter-Gratisblätter, die an den Bahnhöfen täglich Absatz finden. Wer heute Erfolg hat, will nicht komplex denken.
Die Medialisierung der Welt ist attraktiv für junge Leute, für 20-jährige, die Kontent verwursten und Anschläge verwalten. Es geht nicht mehr darum, Wirklichkeiten zu gestalten. Es geht um Marketing. Um Auflage. Und sie wird erreicht durch Personalisierung, durch Feindbilder, mit viel Sport, Unfällen und Verbrechen.
Instant Politik und instant Journalismus, beides ist zusammen gerückt. Jung, frisch, täglich neu, keiner Tradition verpflichtet und zuweilen unbedarft.
Das gilt auch umgekehrt: Auf den Redaktionen sind die alten Hasen selten geworden. Jene, die das Metier à fonds beherrschen, die Materie durch und durch kennen, über die sei schreiben, aus dem Vollen schöpfen und sich nicht von jedem Modetrend vereinnahmen lassen.
Die alten Hasen verschwinden, weil ihnen das Habitat fehlt, der Lebensraum für ein auskömmliches Einkommen.
Immer mehr Redaktoren und Journalisten müssen für beleidigende Honorare schreiben. In der Krise 2009 wurden am stärksten die Budgets für die freien Journalisten gekürzt. Um 40%, wie mir ein Redaktor einer mittelgrossen Regionalzeitung anvertraute. Journalisten sammeln Absagen und müssen einen anderen Beruf ergreifen.
Wie aber soll ein Land seine Probleme lösen, dessen Bewohner die Wirklichkeit nur noch in verkürzten Häppchen wahrnehmen? Oberflächliche Medienarbeit führt zu oberflächlicher Politik. Ich wünsche mir als Politiker wieder Redaktionen, die oberhalb des geistigen Existenzminimum operieren, und das kostet Geld. Dieses Geld ist nicht mehr in den nötigen Mengen vorhanden. Selbst Traditionsblätter wie die NZZ mussten Korrespondentenstellen in bedeutender Zahl streichen.
Zeitungen hören irgendwann auf, Autoritäten zu sein. Ziel muss es sein, Journalismus attraktiv zu halten. Es sollen dort auch Menschen arbeiten können, die über 45 sind und so viel Geld verdienen, dass sie eine Familie ernähren und auch mal um 18.00 Uhr Feierabend haben.
2. Was heute funktioniert
Nach wie vor gibt es Produkte am Markt, mit denen man Geld verdienen kann. Es sind dies vorwiegend Nischenmärkte.
Was funktioniert sind kleine Dorfzeitungen, mit geographisch homogener Leserschaft in einem Tal oder Kanton, in der jeder jeden kennt, mit teilnehmendem Journalismus und sehr kleinen Redaktionen, von Bürgerjournalisten unterstützt.
Was immer noch rentiert ist Unterhaltung. Von Blick bis Schweizer Illustrierte verkauft sich Kurzfutter und Handfestes. Diese Blätter sind aber nicht das, was wir unter 4. Gewalt verstehen; sie tragen eher wenig zu Erkenntnisgewinn und Problemlösungen in einer offenen, demokratischen, arbeitsteiligen Gesellschaft bei.
Was auch funktioniert ist die Hochglanz Presse. Hier sind es Inserenten, die eine Nische finanzieren: Mode, Autos, Golf oder Yachten. Kein Problem, aber auch keine Basis für Konfliktwahrnehmung und -Bewältigung.
3. Weshalb Online Plattformen Tageszeitungen nicht ersetzen
Bleiben noch die Online Plattformen. Sie boomen. Aber sind sie die Zukunft? In meinen Augen eher nicht, und dies aus vielen Gründen:
Die Zeitung als Marke
Erstens ist eine Zeitung etwas anderes als ein Bildschirm.
Eine Zeitung ist etwas Hochwertiges, ist eine Marke, ist greifbar und dadurch eben mehr als ein Bild zum Anklicken.
Vielleicht bin ich da etwas altmodisch. Aber ich glaube, dass Printmedien zur Meinungsbildung stärker beitragen, weil ihre Erscheinung weniger flüchtig ist.
Schwarzfahrer
Zweitens schwächen die online-Plattformen die Printmedien. Man gewöhnt sich daran, fixfertige Artikel gratis zu erhalten und scheut davor zurück, eine Zeitung zu kaufen.
Das Internet ist das Geschäftsmodell der Schwarzfahrer. Irgendjemand muss die Leistung aber bezahlen, sonst endet Journalismus in reiner Selbstausbeutung, und statt echten Diskussionen regieren Blogs, auf denen vereinsamte Pensionierte ihren Frust loslassen, ohne einen echten Beitrag - und sei es ein finanzieller Beitrag - für fact finding und Reflexion beizusteuern. Ja: das Internet kann sehr nützlich sein. Ein Vorteil entsteht im Netz für seriöse Autoren, die keinen Verleger finden. Das Internet beseitigt die teuren Zwischenhändler. Im Netz ist es möglich, Informationen mit einem Minimum an Unkosten bereitzustellen, man kann fokussiert ein Problem in die Zange nehmen. Und es gibt gute Blogs, auf denen man eine Menge lernen kann. Nur: Auch ein guter Blog ersetzt eben keine Tageszeitung.
Internet Boulevard
Drittens: Was wird eigentlich in den online-Zeitungen publiziert? Im Internet regiert das Gesetz der Quote: Titel wie Frau, Hund, Sex melden die meisten Hits. Das muss nicht bedeuten, dass sich Leserinnen und Leser sehr lange mit solchen Texten beschäftigen.
Es zeigt primär, dass man am Bildschirm Neugierde bedient, aber nicht unbedingt den Diskurs. Online-Zeitungen führen eine Liste mit meistgelesenen Artikeln. Selbstverständlich will jeder Journalist, dass seine Artikel häufig gelesen werden. Der Trend wirkt selbstverstärkend. Die Folge: Online-Zeitungen steuern Richtung Boulevard.
Statt auf politische Kernfragen wandert die Aufmerksamkeit zu den Belanglosigkeiten.
Kosten
Viertens schwächt die online-Zeitung die Printzeitung, weil mir keine Beispiele bekannt sind, wo das online-Geschäft wirklich rentiert und finanziell die Printmedien stärken würde. Es ist gerade umgekehrt. Die Printmedien müssen den online-Sektor finanzieren, obschon sie dadurch ihren eigenen Verkauf untergraben.
Copy-paste
Fünftens. Online-Journalismus schwächt auch die Journalisten. Denn online ist es am einfachsten, mit copy-paste eine einzige Geschichte mehrmals zu verkaufen. In Newsrooms bedient ein Journalist gleich mehrere Medien mit content und verliert damit die Kontrolle über Inhalt und Botschaft.
Das heisst, Redaktoren und Newsmanager verarbeiten Texte immer weiter, was der Qualität und dem Wahrheitsgehalt abträglich ist.
4. Überlebensstrategien
Reden wir nun von den Überlebensstrategien:
Journalismus als PR
Wir stellen fest: Zeitungen können ihre Journalisten nicht mehr bezahlen. Das hat Folgen. Über Parteianlässe wird zum Beispiel nur noch sporadisch geschrieben, auch über meine Partei nicht mehr, und sie ist die grösste am Ort.
Auch gute Recherchen werden immer seltener. Fakten werden wenig reflektiert. Statt Sachgeschäfte spannend zu erörtern wird oft auf den Mann gespielt, das ist einfacher.
Weil viele Zeitungen gute Journalisten nicht mehr bezahlen können, wandern diese in die PR-Abteilungen von Unternehmen und Verwaltung ab. Das Gleiche gilt auch umgekehrt. Alle Institutionen, die etwas auf sich halten, organisieren ihre eigene Wahrnehmung, haben ihr eigenes Organ oder einen Medienverantwortlichen.
Auch das Sponsoring wird ausgebaut, nicht nur im Printsektor. Superreiche wie Murdoch, Berlusconi oder Tettamanti halten sich Zeitungen wie Pferde im Stall und suchen, selbstverständlich, eine Profilierung der eigenen Ideen.
PR-Journalismus trägt aber nicht zur Qualität der Publikationen bei. Auf der PR Schiene blüht uns ein hochqualifiziertes Informationsmanagement von Interessenträgern.
Was fehlt, ist der unabhängige Watchdog, der sich Beeinflussungsversuchen mit Rückgrat entgegenstellt.
Was fehlt ist die Diskussion der res publica ohne Eigeninteresse durch unabhängige, sachkundige Redaktorinnen und Redaktoren, die Fakten einordnen und Empfehlungen formulieren können, und: wo es auch beseelt einher gehen soll.
Denn wie heisst es im Johannes Evangelium: "Im Anfang war das Wort." Worte sind wichtig und sie sind mehr als Worte.
Sonst regiert trotz stetig wachsendem Informationsangebot immer mehr die Orientierungslosigkeit, und die Menschen flüchten sich in Sekten, von Scientology bis SVP.
Wollen wir dem abhelfen, müssen wir darüber schreiben, was Menschen machen und was Menschen denken, welche Lebenswelten wir haben und welche Probleme es zu lösen gilt.
Es geht um einfühlsame Gestaltung des Alltag, um Selektion der Entscheidungsträger, um Kontrolle der Mächtigen.
Spendenjournalismus
Es gibt in der Schweiz ja die WOZ, die Wochenzeitung. Sie wurde lange Zeit belächelt, weil sie einen ganz eigenständigen Journalismus mit nur wenigen Inseraten führt. Die WoZ hat also wirtschaftlich das vorweggenommen, was heute viele Zeitungen zu spüren bekommen: Geldmangel. Und wie hat sie das Problem gelöst?
Zur Glaubwürdigkeit der WoZ trägt die hohe Unabhängigkeit der Journalistinnen bei. Die starke Selbstorganisation macht die WoZ zum Original und zur Quelle von Inspiration.
Bei der WoZ werden zudem Recherchen von Leserinnen und Lesern spendiert. Recherche als öffentliches Gut.
Es gibt solche Beispiele nun auch bei konventionellen Zeitungen, z.B. beim Bund, wo sich die Leserschaft zusammengeschlossen hat und Aktionen zum Erhalt ihre Blatts durchführt.
Die New York Times hat im November erstmals einen Artikel mitsamt einer Fotostrecke veröffentlicht, der mit Spenden finanziert wurde. Die Homepage Spot.Us will in Zeiten, in denen die Medien darben und immer weniger Geld für investigativen Journalismus vorhanden ist, garantieren, dass durch cloud financing auch Themen behandelt werden, die üblicherweise im schwarzen Loch der Medienaufmerksamkeit untergehen. Wenn nicht genügend Geld zusammenkommt, um den Artikel tatsächlich zu schreiben, wird das Geld zurücküberwiesen.
Wir kennen solche Trägervereine auch in den Krisenländern Europas, z.B. als es darum ging, Journalismus in Jugoslawien unabhängig zu halten und auf Menschenrechte zu verpflichten.
Die Frage ist, ob es genügt, dass einzelne wenige den Effort machen, eine Zeitung zu retten. Die Bund-Anhänger schafften es nicht, wirklich substanziell Mittel beizusteuern. Aber den Abo-Zahlen hat es möglicherweise geholfen.
Das Club-Modell könnte vielleicht auch helfen, den Markenwert der einzelnen Blätter zu stärken. Dies bedeutet dann auch, dass Abonnenten als verschworene Gemeinschaft, als supponierter Fanclub organisiert sind. Und dass nicht alles online geht, sondern dass exklusives Material nur jenen zugänglich ist, die es käuflich erwerben. Man lässt also nicht länger zu, dass die online-Ausgabe den Printteil kannibalisiert, sondern schafft Exklusivität, die man limitiert und mit einem Preis versieht.
5. Wiederherstellung der Vierten Gewalt
Was bleibt ist folgende Erkenntnis: die gefährdete Spezies ist die Tageszeitung. Ich halte sie für unverzichtbar, weil sie örtlich verankert die nötige Reflexion bringt und eine Ordnung der Welt herbeiführt, auch im Sinne des Gatekeepers, der uns vor zu viel Schrott aus Fernsehen und Internet schützt.
Ja. Ich bin entschieden der Meinung: wir brauchen gute, qualifizierte Tageszeitungen zur Kontrolle staatlicher oder privater Machtballung.
Diese Zeitungen sollen überparteilich sein, der Vernunft verpflichtet, von keiner Lobby gesteuert und bei den Leserinnen und Lesern Weiterbildung und selbstverantwortliches Handeln unterstützen.
Bei diesem Geschäft mit Information geht es um einen Service public. Es geht darum, dass jemand nach professionellen Methoden darüber berichtet, was im eigenen Land geschieht, jemand der Fakten und Fiktion auseinander halten kann, der nicht bloss auf den Mann spielt, die Welt nicht auf Boulevard reduziert und gefährliche Strukturen erkennt.
Wenn wir hochqualitativen Journalismus wollen, dann muss jemand dafür bezahlen. Wenn Inserate dauerhaft wegfallen, dann müssen wir über neue Finanzierungen nachdenken.
Denken wir den Spendenjournalismus einen Schritt weiter. Weshalb sollen nur einzelnen bezahlen für etwas, wovon alle profitieren?
Eine gute Tageszeitung ist ein öffentliches Gut. Selbst jene, die sie nicht kaufen, profitieren von ihren Vorleistungen, sei es online oder über Gratiszeitungen.
Wenn dieser Service Public nicht selbsttragend ist, muss eine öffentliche Finanzierung her. Die öffentlichen Gemeinwesen vergeben ja Preise für gute Bücher, sponsern das Theater und die Kunst. Für Fiction im Theater zum Beispiel gibt Basel-Stadt 37 Millionen Franken aus, pro Jahr.
Was ist uns wichtiger: das Theater oder die Wirklichkeit?
Für den Service Public in Radio und Fernsehen geben wir einige Hundert Millionen Franken aus. Wo steht denn geschrieben, dass sich Service Public auf elektronische Medien beschränkt?
Ziel muss es sein, guten Journalismus zu erhalten und zu fördern im Sinne einer kulturellen Vorleistung für einen friedlichen, reflektierten Alltag, genauso wie Film, Theater und Literatur gefördert werden.
Auch im Geschäft mit Information wollen wir attraktive Arbeitsplätze, damit nicht nur Praktikanten zu Hungerlöhnen unterwegs sind.
Es braucht dann mehr als die heutige Presseförderung. Wer meint, man könne die Tageszeitungen über die Verlagerung von Postgebühren lösen, der irrt. Die heutige Presseförderung ist verlogen und nicht adäquat. Sie verdient diesen Namen nicht.
6. Wie kann man den Service Public der Tageszeitungen konkret organisieren?
Bei den Details wird es brutal schwierig.
Eine offene Gesellschaft braucht ein offenes System. Also bei Nachrichten eher open source statt Exklusivität. Bei Recherchen vielleicht ein Ausschreibeverfahren, für Tageszeitungen vielleicht eine Konzession die periodisch ausgeschrieben wird und zu Gebührenbeiträgen berechtigt.
Beginnen wir mit den Nachrichten:
Ein Ansatz könnte darin bestehen, die Lokalberichterstattung mittels mit einer breit gefächerten Schweizerischen Depeschenagentur zu stärken, welche wie die öffentlich rechtlichen Träger der elektronischen Medien Konzessionsbeiträge erhält und ein bestimmtes Gebiet qualifiziert abdeckt.
Ein erweiterter Leistungsauftrag könnte auch bedeuten, dass die SDA Journalistinnen und Journalisten ausbildet, einen Pool für investigativen Journalismus aufbaut, und dank einem rigorosen Redaktionsstatut unabhängig operieren kann.
Dann kommen wir zu den Tageszeitungen. Sie sollen den Print-Forumszeitungen ohne wirtschaftliche Allianzen sein. Hier besteht nicht nur ein Informationsauftrag, sondern es geht auch um Selektion und Vertiefung, jemand der Themen und Plattformen sichtet, ordnet, weiterempfiehlt, in der Informationsschwemme den Spreu vom Weizen trennt und den Leuten hilft, sich in dieser komplexen Welt zurechtzufinden.
Um sie am Funktionieren zu halten muss man dafür sorgen, dass die Redaktionen vernünftig arbeiten können, genug Stellen haben, Gefässe für Reflexion und organisierten Diskurs.
Die Lösung dafür sind Forumszeitungs-Konzessionen, analog den Konzessionen von Radio und Fernsehen, die periodisch ausgeschrieben werden.
Diese Konzessionen sind gesetzlich zu verbinden mit einem starken Redaktionsstatut, das die Unabhängigkeit garantiert und die Meinungsmacher vor Budgetkürzungen gesetzlich schützt, wenn kritische Artikel einmal nicht bei allen politischen Kräften auf eitel Freude stossen.
Und zu den Kosten: Ich halte sie für tragbar. Es geht ja nicht darum, dass wir neue Leistungen erfinden.
Aber gewisse Gegenleistungen sind denkbar, zum Beispiel ein unentgeltliches, frei zugängliches Medienarchiv via Internet für Artikel, die älter sind als zum Beispiel eine Woche und von Konzessionszeitungen publiziert wurden.
Demokratie braucht gute Medien. Demokratie soll uns etwas wert sein, also müssen wir auch etwas tun dafür, dass die vierte Macht im Staat funktioniert.
Oder anders gefragt:
Wenn uns Fiction am Theater 40 Millionen Franken wert ist, wie viel darf uns dann nonfiction wert sein? Mediale Grundversorgung, abbilden, was passiert, und gute Recherchen?
Wenn fiction wichtiger wird als facts, dann ist die Bodenhaftung einer Gesellschaft in Gefahr. Ich wünsche mir mehr Bodenhaftung. Bodenhaftung statt Hype.
Sein statt Schein.
Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
1. Instant Journalismus
2. Was heute funktioniert
3. Weshalb Online Plattformen Tageszeitungen nicht ersetzen
4. Überlebensstrategien
5. Wiederherstellung der Vierten Gewalt
6. Wie kann man den Service Public der Tageszeitungen konkret organisieren?
1. Instant Journalismus
Wir nannten sie Instant-Journalisten. Zum ersten Mal gehört habe ich diesen Ausdruck von einer inzwischen zurück getretenen Basler Regierungsrätin.
Instantjournalisten sind meist junge Leute oder Praktikanten, die auf Themen losgelassen werden, mit denen sie sich nie zuvor befasst haben. Als Politiker ist man immer häufiger mit solchen Figuren konfrontiert.
Bei Interviews muss man Ihnen nicht nur die Antworten diktieren, sondern auch die Fragen, weil sie keinen blassen Schimmer haben, worüber sie schreiben.
Instant Journalisten haben Erfolg. Auch Instant Politik hat Erfolg. Auch sie verzichtet auf Differenzierung, Vorkenntnisse, Wahrhaftigkeit. Es regiert die verkürzte Wahrnehmung. Und dies gilt nicht nur für die Kurzfutter-Gratisblätter, die an den Bahnhöfen täglich Absatz finden. Wer heute Erfolg hat, will nicht komplex denken.
Die Medialisierung der Welt ist attraktiv für junge Leute, für 20-jährige, die Kontent verwursten und Anschläge verwalten. Es geht nicht mehr darum, Wirklichkeiten zu gestalten. Es geht um Marketing. Um Auflage. Und sie wird erreicht durch Personalisierung, durch Feindbilder, mit viel Sport, Unfällen und Verbrechen.
Instant Politik und instant Journalismus, beides ist zusammen gerückt. Jung, frisch, täglich neu, keiner Tradition verpflichtet und zuweilen unbedarft.
Das gilt auch umgekehrt: Auf den Redaktionen sind die alten Hasen selten geworden. Jene, die das Metier à fonds beherrschen, die Materie durch und durch kennen, über die sei schreiben, aus dem Vollen schöpfen und sich nicht von jedem Modetrend vereinnahmen lassen.
Die alten Hasen verschwinden, weil ihnen das Habitat fehlt, der Lebensraum für ein auskömmliches Einkommen.
Immer mehr Redaktoren und Journalisten müssen für beleidigende Honorare schreiben. In der Krise 2009 wurden am stärksten die Budgets für die freien Journalisten gekürzt. Um 40%, wie mir ein Redaktor einer mittelgrossen Regionalzeitung anvertraute. Journalisten sammeln Absagen und müssen einen anderen Beruf ergreifen.
Wie aber soll ein Land seine Probleme lösen, dessen Bewohner die Wirklichkeit nur noch in verkürzten Häppchen wahrnehmen? Oberflächliche Medienarbeit führt zu oberflächlicher Politik. Ich wünsche mir als Politiker wieder Redaktionen, die oberhalb des geistigen Existenzminimum operieren, und das kostet Geld. Dieses Geld ist nicht mehr in den nötigen Mengen vorhanden. Selbst Traditionsblätter wie die NZZ mussten Korrespondentenstellen in bedeutender Zahl streichen.
Zeitungen hören irgendwann auf, Autoritäten zu sein. Ziel muss es sein, Journalismus attraktiv zu halten. Es sollen dort auch Menschen arbeiten können, die über 45 sind und so viel Geld verdienen, dass sie eine Familie ernähren und auch mal um 18.00 Uhr Feierabend haben.
2. Was heute funktioniert
Nach wie vor gibt es Produkte am Markt, mit denen man Geld verdienen kann. Es sind dies vorwiegend Nischenmärkte.
Was funktioniert sind kleine Dorfzeitungen, mit geographisch homogener Leserschaft in einem Tal oder Kanton, in der jeder jeden kennt, mit teilnehmendem Journalismus und sehr kleinen Redaktionen, von Bürgerjournalisten unterstützt.
Was immer noch rentiert ist Unterhaltung. Von Blick bis Schweizer Illustrierte verkauft sich Kurzfutter und Handfestes. Diese Blätter sind aber nicht das, was wir unter 4. Gewalt verstehen; sie tragen eher wenig zu Erkenntnisgewinn und Problemlösungen in einer offenen, demokratischen, arbeitsteiligen Gesellschaft bei.
Was auch funktioniert ist die Hochglanz Presse. Hier sind es Inserenten, die eine Nische finanzieren: Mode, Autos, Golf oder Yachten. Kein Problem, aber auch keine Basis für Konfliktwahrnehmung und -Bewältigung.
3. Weshalb Online Plattformen Tageszeitungen nicht ersetzen
Bleiben noch die Online Plattformen. Sie boomen. Aber sind sie die Zukunft? In meinen Augen eher nicht, und dies aus vielen Gründen:
Die Zeitung als Marke
Erstens ist eine Zeitung etwas anderes als ein Bildschirm.
Eine Zeitung ist etwas Hochwertiges, ist eine Marke, ist greifbar und dadurch eben mehr als ein Bild zum Anklicken.
Vielleicht bin ich da etwas altmodisch. Aber ich glaube, dass Printmedien zur Meinungsbildung stärker beitragen, weil ihre Erscheinung weniger flüchtig ist.
Schwarzfahrer
Zweitens schwächen die online-Plattformen die Printmedien. Man gewöhnt sich daran, fixfertige Artikel gratis zu erhalten und scheut davor zurück, eine Zeitung zu kaufen.
Das Internet ist das Geschäftsmodell der Schwarzfahrer. Irgendjemand muss die Leistung aber bezahlen, sonst endet Journalismus in reiner Selbstausbeutung, und statt echten Diskussionen regieren Blogs, auf denen vereinsamte Pensionierte ihren Frust loslassen, ohne einen echten Beitrag - und sei es ein finanzieller Beitrag - für fact finding und Reflexion beizusteuern. Ja: das Internet kann sehr nützlich sein. Ein Vorteil entsteht im Netz für seriöse Autoren, die keinen Verleger finden. Das Internet beseitigt die teuren Zwischenhändler. Im Netz ist es möglich, Informationen mit einem Minimum an Unkosten bereitzustellen, man kann fokussiert ein Problem in die Zange nehmen. Und es gibt gute Blogs, auf denen man eine Menge lernen kann. Nur: Auch ein guter Blog ersetzt eben keine Tageszeitung.
Internet Boulevard
Drittens: Was wird eigentlich in den online-Zeitungen publiziert? Im Internet regiert das Gesetz der Quote: Titel wie Frau, Hund, Sex melden die meisten Hits. Das muss nicht bedeuten, dass sich Leserinnen und Leser sehr lange mit solchen Texten beschäftigen.
Es zeigt primär, dass man am Bildschirm Neugierde bedient, aber nicht unbedingt den Diskurs. Online-Zeitungen führen eine Liste mit meistgelesenen Artikeln. Selbstverständlich will jeder Journalist, dass seine Artikel häufig gelesen werden. Der Trend wirkt selbstverstärkend. Die Folge: Online-Zeitungen steuern Richtung Boulevard.
Statt auf politische Kernfragen wandert die Aufmerksamkeit zu den Belanglosigkeiten.
Kosten
Viertens schwächt die online-Zeitung die Printzeitung, weil mir keine Beispiele bekannt sind, wo das online-Geschäft wirklich rentiert und finanziell die Printmedien stärken würde. Es ist gerade umgekehrt. Die Printmedien müssen den online-Sektor finanzieren, obschon sie dadurch ihren eigenen Verkauf untergraben.
Copy-paste
Fünftens. Online-Journalismus schwächt auch die Journalisten. Denn online ist es am einfachsten, mit copy-paste eine einzige Geschichte mehrmals zu verkaufen. In Newsrooms bedient ein Journalist gleich mehrere Medien mit content und verliert damit die Kontrolle über Inhalt und Botschaft.
Das heisst, Redaktoren und Newsmanager verarbeiten Texte immer weiter, was der Qualität und dem Wahrheitsgehalt abträglich ist.
4. Überlebensstrategien
Reden wir nun von den Überlebensstrategien:
Journalismus als PR
Wir stellen fest: Zeitungen können ihre Journalisten nicht mehr bezahlen. Das hat Folgen. Über Parteianlässe wird zum Beispiel nur noch sporadisch geschrieben, auch über meine Partei nicht mehr, und sie ist die grösste am Ort.
Auch gute Recherchen werden immer seltener. Fakten werden wenig reflektiert. Statt Sachgeschäfte spannend zu erörtern wird oft auf den Mann gespielt, das ist einfacher.
Weil viele Zeitungen gute Journalisten nicht mehr bezahlen können, wandern diese in die PR-Abteilungen von Unternehmen und Verwaltung ab. Das Gleiche gilt auch umgekehrt. Alle Institutionen, die etwas auf sich halten, organisieren ihre eigene Wahrnehmung, haben ihr eigenes Organ oder einen Medienverantwortlichen.
Auch das Sponsoring wird ausgebaut, nicht nur im Printsektor. Superreiche wie Murdoch, Berlusconi oder Tettamanti halten sich Zeitungen wie Pferde im Stall und suchen, selbstverständlich, eine Profilierung der eigenen Ideen.
PR-Journalismus trägt aber nicht zur Qualität der Publikationen bei. Auf der PR Schiene blüht uns ein hochqualifiziertes Informationsmanagement von Interessenträgern.
Was fehlt, ist der unabhängige Watchdog, der sich Beeinflussungsversuchen mit Rückgrat entgegenstellt.
Was fehlt ist die Diskussion der res publica ohne Eigeninteresse durch unabhängige, sachkundige Redaktorinnen und Redaktoren, die Fakten einordnen und Empfehlungen formulieren können, und: wo es auch beseelt einher gehen soll.
Denn wie heisst es im Johannes Evangelium: "Im Anfang war das Wort." Worte sind wichtig und sie sind mehr als Worte.
Sonst regiert trotz stetig wachsendem Informationsangebot immer mehr die Orientierungslosigkeit, und die Menschen flüchten sich in Sekten, von Scientology bis SVP.
Wollen wir dem abhelfen, müssen wir darüber schreiben, was Menschen machen und was Menschen denken, welche Lebenswelten wir haben und welche Probleme es zu lösen gilt.
Es geht um einfühlsame Gestaltung des Alltag, um Selektion der Entscheidungsträger, um Kontrolle der Mächtigen.
Spendenjournalismus
Es gibt in der Schweiz ja die WOZ, die Wochenzeitung. Sie wurde lange Zeit belächelt, weil sie einen ganz eigenständigen Journalismus mit nur wenigen Inseraten führt. Die WoZ hat also wirtschaftlich das vorweggenommen, was heute viele Zeitungen zu spüren bekommen: Geldmangel. Und wie hat sie das Problem gelöst?
Zur Glaubwürdigkeit der WoZ trägt die hohe Unabhängigkeit der Journalistinnen bei. Die starke Selbstorganisation macht die WoZ zum Original und zur Quelle von Inspiration.
Bei der WoZ werden zudem Recherchen von Leserinnen und Lesern spendiert. Recherche als öffentliches Gut.
Es gibt solche Beispiele nun auch bei konventionellen Zeitungen, z.B. beim Bund, wo sich die Leserschaft zusammengeschlossen hat und Aktionen zum Erhalt ihre Blatts durchführt.
Die New York Times hat im November erstmals einen Artikel mitsamt einer Fotostrecke veröffentlicht, der mit Spenden finanziert wurde. Die Homepage Spot.Us will in Zeiten, in denen die Medien darben und immer weniger Geld für investigativen Journalismus vorhanden ist, garantieren, dass durch cloud financing auch Themen behandelt werden, die üblicherweise im schwarzen Loch der Medienaufmerksamkeit untergehen. Wenn nicht genügend Geld zusammenkommt, um den Artikel tatsächlich zu schreiben, wird das Geld zurücküberwiesen.
Wir kennen solche Trägervereine auch in den Krisenländern Europas, z.B. als es darum ging, Journalismus in Jugoslawien unabhängig zu halten und auf Menschenrechte zu verpflichten.
Die Frage ist, ob es genügt, dass einzelne wenige den Effort machen, eine Zeitung zu retten. Die Bund-Anhänger schafften es nicht, wirklich substanziell Mittel beizusteuern. Aber den Abo-Zahlen hat es möglicherweise geholfen.
Das Club-Modell könnte vielleicht auch helfen, den Markenwert der einzelnen Blätter zu stärken. Dies bedeutet dann auch, dass Abonnenten als verschworene Gemeinschaft, als supponierter Fanclub organisiert sind. Und dass nicht alles online geht, sondern dass exklusives Material nur jenen zugänglich ist, die es käuflich erwerben. Man lässt also nicht länger zu, dass die online-Ausgabe den Printteil kannibalisiert, sondern schafft Exklusivität, die man limitiert und mit einem Preis versieht.
5. Wiederherstellung der Vierten Gewalt
Was bleibt ist folgende Erkenntnis: die gefährdete Spezies ist die Tageszeitung. Ich halte sie für unverzichtbar, weil sie örtlich verankert die nötige Reflexion bringt und eine Ordnung der Welt herbeiführt, auch im Sinne des Gatekeepers, der uns vor zu viel Schrott aus Fernsehen und Internet schützt.
Ja. Ich bin entschieden der Meinung: wir brauchen gute, qualifizierte Tageszeitungen zur Kontrolle staatlicher oder privater Machtballung.
Diese Zeitungen sollen überparteilich sein, der Vernunft verpflichtet, von keiner Lobby gesteuert und bei den Leserinnen und Lesern Weiterbildung und selbstverantwortliches Handeln unterstützen.
Bei diesem Geschäft mit Information geht es um einen Service public. Es geht darum, dass jemand nach professionellen Methoden darüber berichtet, was im eigenen Land geschieht, jemand der Fakten und Fiktion auseinander halten kann, der nicht bloss auf den Mann spielt, die Welt nicht auf Boulevard reduziert und gefährliche Strukturen erkennt.
Wenn wir hochqualitativen Journalismus wollen, dann muss jemand dafür bezahlen. Wenn Inserate dauerhaft wegfallen, dann müssen wir über neue Finanzierungen nachdenken.
Denken wir den Spendenjournalismus einen Schritt weiter. Weshalb sollen nur einzelnen bezahlen für etwas, wovon alle profitieren?
Eine gute Tageszeitung ist ein öffentliches Gut. Selbst jene, die sie nicht kaufen, profitieren von ihren Vorleistungen, sei es online oder über Gratiszeitungen.
Wenn dieser Service Public nicht selbsttragend ist, muss eine öffentliche Finanzierung her. Die öffentlichen Gemeinwesen vergeben ja Preise für gute Bücher, sponsern das Theater und die Kunst. Für Fiction im Theater zum Beispiel gibt Basel-Stadt 37 Millionen Franken aus, pro Jahr.
Was ist uns wichtiger: das Theater oder die Wirklichkeit?
Für den Service Public in Radio und Fernsehen geben wir einige Hundert Millionen Franken aus. Wo steht denn geschrieben, dass sich Service Public auf elektronische Medien beschränkt?
Ziel muss es sein, guten Journalismus zu erhalten und zu fördern im Sinne einer kulturellen Vorleistung für einen friedlichen, reflektierten Alltag, genauso wie Film, Theater und Literatur gefördert werden.
Auch im Geschäft mit Information wollen wir attraktive Arbeitsplätze, damit nicht nur Praktikanten zu Hungerlöhnen unterwegs sind.
Es braucht dann mehr als die heutige Presseförderung. Wer meint, man könne die Tageszeitungen über die Verlagerung von Postgebühren lösen, der irrt. Die heutige Presseförderung ist verlogen und nicht adäquat. Sie verdient diesen Namen nicht.
6. Wie kann man den Service Public der Tageszeitungen konkret organisieren?
Bei den Details wird es brutal schwierig.
Eine offene Gesellschaft braucht ein offenes System. Also bei Nachrichten eher open source statt Exklusivität. Bei Recherchen vielleicht ein Ausschreibeverfahren, für Tageszeitungen vielleicht eine Konzession die periodisch ausgeschrieben wird und zu Gebührenbeiträgen berechtigt.
Beginnen wir mit den Nachrichten:
Ein Ansatz könnte darin bestehen, die Lokalberichterstattung mittels mit einer breit gefächerten Schweizerischen Depeschenagentur zu stärken, welche wie die öffentlich rechtlichen Träger der elektronischen Medien Konzessionsbeiträge erhält und ein bestimmtes Gebiet qualifiziert abdeckt.
Ein erweiterter Leistungsauftrag könnte auch bedeuten, dass die SDA Journalistinnen und Journalisten ausbildet, einen Pool für investigativen Journalismus aufbaut, und dank einem rigorosen Redaktionsstatut unabhängig operieren kann.
Dann kommen wir zu den Tageszeitungen. Sie sollen den Print-Forumszeitungen ohne wirtschaftliche Allianzen sein. Hier besteht nicht nur ein Informationsauftrag, sondern es geht auch um Selektion und Vertiefung, jemand der Themen und Plattformen sichtet, ordnet, weiterempfiehlt, in der Informationsschwemme den Spreu vom Weizen trennt und den Leuten hilft, sich in dieser komplexen Welt zurechtzufinden.
Um sie am Funktionieren zu halten muss man dafür sorgen, dass die Redaktionen vernünftig arbeiten können, genug Stellen haben, Gefässe für Reflexion und organisierten Diskurs.
Die Lösung dafür sind Forumszeitungs-Konzessionen, analog den Konzessionen von Radio und Fernsehen, die periodisch ausgeschrieben werden.
Diese Konzessionen sind gesetzlich zu verbinden mit einem starken Redaktionsstatut, das die Unabhängigkeit garantiert und die Meinungsmacher vor Budgetkürzungen gesetzlich schützt, wenn kritische Artikel einmal nicht bei allen politischen Kräften auf eitel Freude stossen.
Und zu den Kosten: Ich halte sie für tragbar. Es geht ja nicht darum, dass wir neue Leistungen erfinden.
Aber gewisse Gegenleistungen sind denkbar, zum Beispiel ein unentgeltliches, frei zugängliches Medienarchiv via Internet für Artikel, die älter sind als zum Beispiel eine Woche und von Konzessionszeitungen publiziert wurden.
Demokratie braucht gute Medien. Demokratie soll uns etwas wert sein, also müssen wir auch etwas tun dafür, dass die vierte Macht im Staat funktioniert.
Oder anders gefragt:
Wenn uns Fiction am Theater 40 Millionen Franken wert ist, wie viel darf uns dann nonfiction wert sein? Mediale Grundversorgung, abbilden, was passiert, und gute Recherchen?
Wenn fiction wichtiger wird als facts, dann ist die Bodenhaftung einer Gesellschaft in Gefahr. Ich wünsche mir mehr Bodenhaftung. Bodenhaftung statt Hype.
Sein statt Schein.
Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
* Rudolf Rechsteiner, 1958 geboren, stieg nach den Schulen und der Matura in Basel im Jahr 1978 als freier Journalist in den Journalismus ein. Daneben absolvierte er in Basel und Genf ein Ökonomiestudium, das er 1982 mit dem Lizenziat abschloss. Im selben Jahr trat er in die Wirtschaftsredaktion der "Basler Zeitung" ein, der er bis 1985 angehörte. Danach übernahm er eine Stabsstelle beim Kanton Basel-Stadt und promovierte 1986 zum Dr. rer. pol. Seit 1991 ist er beruflich als Ökonom, selbständiger Wissenschaftler, Lehrbeauftragter an mehreren Universitäten und Fachhochschulen, Berater und Publizist tätig. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei gehörte Rudolf Rechsteiner von 1988 bis 1999 dem Grossen Rat von Basel-Stadt und von 1995 bis Mai 2010 dem Nationalrat an. Sein Einsatz als Politiker und Publizist galt und gilt hauptsächlich den Sozialwerken und dem Umweltschutz, dabei vor allem den erneuerbaren Energien.




