Der Bund - publizistische Verantwortung von tamedia gefragt  
Medienvielfalt muss Vorrang haben

Durch die Vereinigung verschiedener Titel einer Region unter einem Dach ist tamedia nicht nur für deren wirtschaftliche Existenz, sondern auch für die Medienvielfalt verantwortlich. impressum fordert tamedia auf, den heute kommunizierten Entscheid, die Redaktion der Zeitung „Der Bund“ entweder mit dem „Tages Anzeiger“ oder mit der „Berner Zeitung“ eng zu verknüpfen, neu zu prüfen. Besteht kein wirtschaftlicher Zwang für das Gesamtunternehmen, muss die Gewährleistung der Medienvielfalt Vorrang haben. Ausserdem sind die Redaktorinnen und Redaktoren von Anfang aktiv in den Umgestaltungsprozesse einzubeziehen.

tamedia teilte heute der Belegschaft und der Öffentlichkeit mit, dass der Bund selbständig wirtschaftlich nicht rentabel sei. Selbstredend rechtfertigte tamedia damit zwei Projekte, die zur Zeit geprüft werden, und welche die redaktionelle Selbständigkeit der ohnehin bereits empfindlich geschrumpften Bund-Redaktion vollends aufheben sollen: Beim Projekt „TagesBund“ sollen „Tages Anzeiger“ und „Der Bund“ einen gemeinsamen Mantel erhalten, und die Alternative „Berner Zeitung & Der Bund“ soll die Redaktionen zusammenführen. In beiden Fällen soll es zu Stellenabbau kommen.

Verlegerische Verantwortung ist nicht nur wirtschaftlich

impressum, der grösste Schweizer Verband Medienschaffender, ist überzeugt, dass verlegerische Verantwortung weiter geht, als nur die Wirtschaftlichkeit der Titel zu sichern, und dabei jeden Titel einzeln zu betrachten. tamedia hat durch die Übernahme verschiedener Publikationen grosse Teile der Presse ganzer Regionen unter einem Dach vereint, und dies im Wissen um die wirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen Titel. Damit hat tamedia auch die Verantwortung für die publizistische Vielfalt in diesen Regionen übernommen, und dies gilt insbesondere für die Hauptstadt der Schweiz.

tamedia hat bis jetzt nicht belegt, dass es die wirtschaftliche Situation des gesamten Unternehmens nicht mehr erlaubt, einen redaktionell unabhängigen Bund weiter zu finanzieren, auch wenn dieser - isoliert vom Gesamtunternehmen tamedia betrachtet - nicht rentiert. impressum hält deshalb den heute kommunizierten Entscheid, die redaktionelle Unabhängigkeit aufzuheben und dabei auch Stellen zu streichen, für verfrüht, da er der publizistischen Verantwortung von tamedia nicht Rechnung trägt.

Einbezug der Redaktionsmitarbeitenden ist Pflicht

impressum fordert beide Projektgruppen und den Lenkungsausschuss (der Herren Charles von Graffenried, Pietro Supino und Martin Kall) auf, bereits in der Anfangsphase der Projektierung die betroffenen Redaktorinnen und Redaktoren aktiv an der Brainstorming- und Planungsphase teilnehmen zu lassen. impressum erinnert an die Stellungnahme des Presserats vom 13. Juli 2008 (31/2008), die den Redaktionen ein Recht auf Konsultation bei Projekten einräumt, welche eine grundlegende Veränderung ihrer Organisation einschliessen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die journalistischen Inhalte betroffen sind. Weiter fordert impressum tamedia auf, Alternativen, welche die redaktionelle Unabhängigkeit des "Bundes" gewährleisten, vorzuziehen, auch wenn diese wirtschaftlich weniger interessant sind.
 
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Agenda
06. November 2010
FBZ Preis für freien Journalismus
Preisverleihung, Matinée Filmpodium Zürich. Infos hier.
26. November 2010
Forum Staat und Medien
In Freiburg mit BR M. Leuenberger, D. Pillard von Ringier Romandie, NR A. Gross, P. Rothenbühler, P. Studer und vielen mehr. Weitere Infos Folgen.
25. März 2011
DV
Delegiertenversammlung impressum in Zürich


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