Liebe Medienunternehmerinnen und Medienunternehmer  
Medienmitteilung
impressum - die Schweizer JournalistInnen
Pontresina, den 16. September 2010

An der Mitgliederversammlung des Kongresses des Verbandes Schweizer Presse

Es gilt das gesprochene Wort.

Urs Thalmann, Geschäftsführer von impressum, die Schweizer JournalistInnen, richtet sich an die Mitglieder von Schweizer Presse.

Liebe Medienunternehmerinnen und Medienunternehmer

Gestern abend noch hatte ich ein paar Zeilen auf meinem PC, mit denen ich mich bitter beklagt hätte über einige unserer Mitglieder (mit uns meine ich uns, nämlich die Mitglieder unseres Verband Schweizer Presse), die sich nicht an all unsere eheren Grundsätze halten, wie die Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten, den „Code of Conduct“, oder unsere Mindeststandards bezüglich der Arbeitsbedingungen von Medienschaffenden. Ja, gewisse unserer Mitglieder hier halten sich nicht einmal mehr an Recht und Anstand.

Hätte ich mich so beklagt, hätten Sie sich - zurecht - gedacht „alle Jahre wieder“ – und Sie hätten sich gelangweilt – dies allerdings zu unrecht. Langweilen werde ich Sie trotzdem ein paar Minuten, aber diesmal, so hoffe ich etwas anders.

Anders ist nur schon, dass ich meine Worte unter „Varia“ an Sie richte. Früher hörten wir bei den Jahresberichten und Jahreszielen jene zur Sozialpartnerschaft. Doch diese gibt es nicht mehr – ebenso wenig wie das zugehörige Departement. Das sich das Präsidium nun direkt um die Beziehungen zu den Sozialpartnern kümmere, scheint also zu bedeuten, dass die Sozialpartnerschaft bestenfalls noch unter Varia vorkommt, so jemand sie denn erwähnt.

Sie erscheint aber doch, die Sozialpartnerschaft. Wer lange sucht, der findet sie. Da ist nämlich bei den Jahreszielen noch der Punkt 4, jener der Arbeitsbedingungen. Dort heisst es, unscheinbar, „Beobachtung der Entwicklungen im Bereich Arbeitsmarkt und Sozialpartnerschaft".

Beobachtung? Wen, meine Damen und Herren, möchten wir, die Mitglieder von Schweizer Pressen denn beobachten? Uns selbst? Wir SIND hier ein Arbeitgeberverband! Wer sonst also, soll Sozialpartnerschaft machen, wenn nicht der Arbeitgeberverband zusammen mit den Verbänden jener Arbeitnehmenden, die unser aller Medien die Inhalte geben?

Sozialpartnerschaft heisst in der Tradition von uns „Schweizer Presse“ und uns „impressum“ (zusammen mit den anderen Verbänden von Arbeitnehmenden) in erster Linie Partnerschaft.

Darum sind wir – die Journalistinnen und Journalisten – hier an der Mitgliederversammlung als – wenn auch nur assoziierte – dennoch zahlende Mitglieder. Weil wir daran glauben, dass die Herausforderungen gemeinsam am besten gemeistert werden.

Wir sind Sozial-Partner. Partnerschaft heisst zunächst Zusammenarbeit.

Zusammen kümmern wir uns zum Beispiel um die Qualität unserer Medien und die Qualifikation unserer Mitarbeitenden beziehungsweise Mitglieder, indem wir uns gemeinsam um Ausbildungsstätten kümmern.

Sozialpartnerschaft heisst aber auch Vertrauen.

Es war ein grosses Zeichen des Vertrauens, glauben Sie mir, als Ihre Journalistinnen und Journalisten von impressum, an ihrem Frühlingskongress 2008 zugestimmt haben, dass wir – Schweizer Presse – ebenfalls zu den Trägern des Presserates gehören sollten.

Und entgegen dem, was manchmal behauptet wurde, funktionierte der Presserat schon vorher bestens und hätte auch nachher weiter bestens ohne die Arbeitgeber funktionieren können. Viel wichtiger als das Geld, das von Schweizer Presse kommt, war es aber, dass die Journlistinnen und Journalisten damit gegenüber ihren Arbeitgebern, den Mitgliedern von Schweizer Presse, ihr Vertrauen ausgedrückt haben.

Das Vertrauen, mit dem gezeigt werden sollte, dass wir, Schweizer Presse und wir, die Journalistinnen und Journalisten, all die dringenden, anstehende Probleme gemeinsam bewältigen sollten – wie eben mit dem Presserat die Herausforderung, unseren Journalismus auf einem ethisch hohen Niveau zu halten.

Den Journalismus auf hohem Niveau zu halten, setzt aber auch geregelte Arbeitsbedingungen voraus.

Letztes Jahr hat ein Vertreter Ihres Präsidiums beim Stiftungsrat Presserat zu Protokoll gegeben, das Vertrauen sei zerstört, weshalb Gespräch über eine verbindliche Sozialpartnerschaft, sprich einen Gesamtarbeitsvertrag, nicht in Frage kämen. Dies, obwohl die Journalistinnen und Journalisten ein Jahr zuvor, 2008, ihr Vertrauen ausgedrückt hatten und die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in ihr Heiligtum, den Presserat, gelassen haben.

So wie wir die Ethik erfolgreich zusammen anpacken können, können wir auch die Arbeitsbedingungen zusammen anpacken.

Der Moment ist gekommen, um das Misstrauen abzulegen und es wieder zu versuchen. Zusammen können wir mehr erreichen – bei der Sozialpartnerschaft genauso wie bei all den gemeinsamen Baustellen, auf denen wir das gleiche erreichen wollen: Gesunde Schweizer Medien.

Lassen Sie uns unsere gemeinsamen Probleme gemeinsam lösen. Es gibt viele. So Suchmaschinen, die durch Lücken des Urheberrechts schlüpfen und uns Einkommen wegschnappen. Oder die Medienpolitik, die überlebensfähige, qualitativ hochwertige, private Medien weiterhin ermöglichen soll.

Lassen Sie uns wieder Partner werden, und am gleichen Strick ziehen. Und geben wir der Sozialpartnerschaft den nötigen, angemessenen Platz in unserem Verband Schweizer Presse. Indem wir sofort die Gespräch über die brennenden heissen Fragen aufnehmen. Und auch auf der Traktandenliste unserer Mitgliederversammlung.

Danke.
 
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