Freie FotografInnen - neue Rahmenverträge der Blick-Gruppe sind inakzeptabel

Die Blick-Gruppe von Ringier legt ihren freien FotografInnen neuerdings Rahmenverträge vor. Diese regeln das Vertragsverhältnis zwischen Verlag und FotografIn und sind für Letztere nachteilig. Wer nicht unterschreibt, wird nicht mehr berücksichtigt. Für die Mehrheit der freien FotografInnen, die von den Blick-Aufträgen finanziell abhängig sind, hat eine Nichtunterzeichnung verheerende Folgen und erzeugt damit einen enormen Druck.

FotografInnen, die als Freie für die Blick-Gruppe von Ringier arbeiten, werden mit neuen Rahmenverträgen konfrontiert. Solche Verträge sind neu. Bis anhin waren einzelne Fotoaufträge meist Abmachungen zwischen dem abdruckenden Blatt und der/dem FotografIn. Die Bedingungen waren Verhandlungssache und entstanden häufig aus der Gewohnheit. Nun stellt Ringier den freischaffenden FotografInnen Maximalforderungen: Wer für den Blick fotografiert, muss sämtliche Nutzungsrechte an den Bildern abgeben. Im Branchenjargon nennt sich das „Full-Buyout“. Damit könnte das Medienhaus als eine Art Bildagentur die Fotografien für alle ihre Produkte nutzen und auch mit dem Weiterverkauf extern Geld verdienen – eine Einkommensquelle, die vielen Freischaffenden abgehen würde. Plötzlich bekämen die FotografInnen und ihre Agenturen also mächtige Konkurrenten auf dem Markt der Bilder.

Eine Gruppe von FotografInnen hat sich zusammengeschlossen, um sich gegen die neuen Verträge der Blick-Gruppe zu wehren. Neben dem „Full-Buyout“ stören vor allem auch nicht eindeutig geregelte Haftungsfragen - in einer zunehmend klagefreudigen Umgebung ein Punkt, der an Wichtigkeit gewinnt. Ebenso empfinden es die Freien zu Recht als inakzeptabel, dass sie für die teuren Gerätschaften und für die Infrastruktur keine Entschädigung mehr erhalten sollen. Auch die Bereiche Spesen und Honorare werden zu ihrem Nachteil geregelt. Während einige Regelungen so bald existenziell am Einkommen der FotografInnen sägen, sind andere rechtlich zweifelhaft. Und das für 75 Franken pro Stunde – Fotoausrüstung, Versicherung, Altersvorsorge, Steuern, Krankentaggelder und Ferien inklusive.

Um die FotografInnen zu unterstützen, arbeiten die vier Organisationen impressum, syndicom, der Verband Schweizer Berufsfotografen und Fotodesigner und die Vereinigung fotografischer GestalterInnen zusammen und forderten den Managing Editor der Blick-Gruppe, Michael Ludewig, zum Gespräch auf.

Bei der Aussprache vom 19. Oktober 2017 mit den Vertreterinnen der vier Organisationen blieb Ludewig uneinsichtig. Man wolle nun ein paar Monate mit dem Vertrag arbeiten und diesen „komme was wolle“, in nächster Zeit nicht anpassen. Er wisse, dass die freien Fotografen, deren wirtschaftliche Existenz an der Parallelnutzung der Bilder hänge, einen Rahmenvertrag wie den angebotenen nicht unterzeichnen können, aber dies nehme man von Seiten der Blick-Gruppe in Kauf. Es hätten einige Fotografen den Rahmenvertrag unterzeichnet und man werde künftig mit diesen zusammenarbeiten. Auf den Einwand, dass sich diese vor allem dem übermächtigen Druck eines für sie unverzichtbaren Auftraggebers beugten, ging Ludewig bei der Aussprache nicht ein.

Der Kampf gegen den Blick-Vertrag folgt dem Prinzip „Wehret den Anfängen“, denn Medienhäuser schreiben bei solchen Verträgen gerne voneinander ab. Andere Verlage, die ähnliches anstreben, müssen frühzeitig gestoppt werden. Darum bleibt die Lösung: nicht unterschreiben und impressum bzw. einen der anderen Verbände kontaktieren.

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