SDA-Abbau: Protest, Bestürzung, Solidarität.

impressum fordert Kündigungsverzicht und protestiert gegen die willentlich gesteuerte Schwächung der SDA durch ihre teils sehr finanzsstarken Eigentümer und Kunden.

Der heute (8.1.2018) angekündigte Stellenabbau bei der SDA um 35-40 Vollzeitstellen von Journalistinnen und Journalisten (von total 150 Stellen auf den Redaktionen) betrifft sämtliche Ressorts in drei Landessprachen und wird die Leistung der traditionsreichen Schweizer Nachrichtenagentur auf Dauer massiv beschneiden. impressum ist bestürzt. Dass der Abbau nichts mit der vor Kurzem angekündigten Fusion zu tun haben soll, wie die Geschäftsleitung behauptet, ist unglaubwürdig, und eine solche Aussage gegenüber den Mitarbeitenden ist unwürdig.

Die schlechte Nachricht zum Jahresbeginn wird rasch umgesetzt: Bereits Ende Januar sollen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gespräche über Frühpensionierungen, Pensumsreduktionen und Entlassungen aufgenommen werden. Die Nachrichtenagentur, die bisher in Inland-, Ausland- und Wirtschaftsressorts aufgeteilt war, wird zudem umgebaut. Das Wirtschaftsressort wird aufgelöst und die Leistungen zukünftig beim Tochterunternehmen AWP eingekauft. Einzig die Regionalbüros der sda sollen weiterhin Wirtschaftsmeldungen verfassen. Diese werden dann über die AWP publiziert. In der SDA-Zentrale in Bern werden das Inland- und das Auslandressort zusammengelegt.

Die Regionalbüros werden vorerst beibehalten, wie auch die Korrespondentenstellen in der französischsprachigen, der deutschsprachigen und der italienischsprachigen Schweiz sowie bei der UNO in Genf und der EU in Brüssel. Der nach Sydney verlagerte Nachtdienst wird derzeit übergeprüft. Auch der Sport ist betroffen, dort sollte der Abbau allerdings ohne Entlassungen vorgenommen werden können. Die Redaktion der SDA zeigt sich über den Abbau schockiert. Die interne Arbeitnehmer-Vertretung, die Redaktionskommission, wird während der zehntägigen Konsultationsphase alles daran setzen, die Zahl der vom Abbau bedrohten Stellen so weit wie möglich zu reduzieren. Dabei kann sie auf die Unterstützung von impressum und syndicom zählen.

Immerhin gehören zu den massgebenden Eigentümern der SDA finanzstarke Medienkonzerne (so Tamedia, das für 216 Millionen Goldbach kaufen will!). Diese Eigentümer sind auch Kunden der SDA und damit für den Einnahmerückgang mitverantwortlich. Die Schwächung der SDA erfolgt also nicht aus ökonomischem Zwang, wie die Geschäftsleitung es darstellt. Wie stark die Grundversorgung durch die SDA sein soll, wird von ihren Eigentümern gesteuert.

impressum, die grösste JournalistInnenorganisation der Schweiz, wird die Mitarbeitenden im Konsultationsverfahren und bei allen von ihnen gewünschten Massnahmen mit allen zur Verfügung stehenden Kräften unterstützen. impressum fordert von der Geschäftsleitung den Verzicht auf Entlassungen und erzwungene Frühpensionierungen und gegebenenfalls einen mit den Sozialpartnern ausgehandelten und vereinbarten Sozialplan, welcher der extrem schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt für Journalistinnen und Journalisten gebührend Rechnung trägt.

impressum erinnert daran, dass die SDA eine wichtige Rolle spielt für die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Informationen, und dass die SDA auch mit öffentlichen Geldern finanziert wird, indem die öffentliche Hand als Kundin auftritt, und indem der Bund ab 2018 sogar Subventionen angekündigt hat. Unter diesem Gesichtspunkt ist die einseitig durch die Besitzer entschiedene Schwächung der demokratierelevanten Informationsleistung durch die SDA besonders stossend.

Die Nachrichtenagentur war 1895 von den Schweizer Verlegern gegründet worden, um Kosten zu sparen und zu vermeiden, dass jedes Medienhaus für sich die gleiche Arbeit erledigen muss. Dass die Einnahmen 2018 um 3,1 Millionen Franken sanken, ist auch auf Fehler des Managements der SDA zurückzuführen, das ein neues Tarifmodell einführte, welches bei den Kunden auf grosse Kritik stiess. Das Unternehmen wurde dabei in seiner Scharnierfunktion aufgerieben, da die Kunden zugleich die Besitzer des Unternehmens sind. Sie hatten das neue Tarifmodell denn auch im Verwaltungsrat genehmigt. Für die Redaktion ist es bitter, die Folgen dieser Entwicklungen zu tragen. Zudem ist es ein Schlag ins Gesicht, dass Leistungen wie SDA Video den Kunden ohne Bezahlung zur Verfügung gestellt wird, während auf der Redaktion eingespart wird.

Nach Angaben der Direktion ist der Abbau auf den Einnahmenrückgang zurückzuführen und nicht auf die im Herbst angekündigte Fusion mit der Schweizer Bildagentur Keystone. Allerdings ist wenig glaubwürdig, dass diese beiden Entscheide, die fast zeitgleich erfolgten, nicht aufeinander abgestimmt sein sollen. Doch aufgrund dieser Darstellung befürchtet die Redaktion einen weiteren Stellenabbau, nachdem die Bewilligung der Wettbewerbskommission (WEKO) für diese Fusion vorliegt. Die SDA-Redaktion wird ihren Dienst in drei Landessprachen nur noch in einem geringeren Ausmass anbieten können. Damit wird an einem wichtigen Pfeiler der Schweizer Medien und der Information der Schweizer Bevölkerung gesägt.

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