Berner Medienvielfalt am Ende

Tamedia hat die Zusammenführung der Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» bekannt gegeben. Nach dem Ende des «Berner Modells» muss die Politik die mediale Vielfalt fördern.

Laut Tamedia werden ab Oktober 2021 die «Berner Zeitung» und der «Bund» unter dem Dach einer gemeinsamen Redaktion für die regionale und kantonale Berichterstattung zuständig sein. Zwar bleiben die «Berner Zeitung» mit ihren Lokalausgaben und der «Bund» äusserlich je separate Titel. Inhaltlich aber kommt die Berichterstattung neu aus der gleichen Redaktion und aus den gleichen Federn, was die bisherige Vielfalt schmälern wird.

Grosszügiger Sozialplan
Mit dem Zusammenzug der beiden Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» will Tamedia Synergien umsetzen und ein zukunftsweisendes Modell für die beiden Zeitungen schaffen. Zu diesem Zweck sollen rund 20 Vollzeitstellen abgebaut werden. Obwohl dieser Abbau «soweit wie möglich» über die natürliche Fluktuation abgewickelt werden soll, erscheint er aus der Sicht von impressum als kritikwürdig. Tamedia hat vom steigenden Bedürfnis nach unabhängigem Qualitätsjournalismus profitiert und im Geschäftsjahr 2020 ein Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) von 10.7 Mio. CHF erzielt. Auf Gruppenebene realisierte die TX Group gar einen Gewinn vor Abschreibungen (EBITDA) von 130.6 Mio. CHF. Vor diesem Hintergrund ist eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit für diesen Stellenabbau nicht erkennbar. Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass die Fusion der beiden Redaktionen eher einer Profitlogik als einem verlegerischen Ethos folgt. Aus diesem Grund fordert impressum Tamedia auf, rasch Hand zu bieten für einen grosszügigen Sozialplan für sämtliche betroffene Mitarbeitende.

Neue Ansätze für die Medienförderung
Weil die marktmächtige TX Group nicht mehr bereit ist, das «Berner Modell» weiterzuführen, ist aus der Sicht von impressum die Politik dazu aufgerufen, die mediale Vielfalt auf dem Medienplatz Bern zu fördern. Angesichts der neuen Dringlichkeit fordert impressum den Kanton und die Stadt Bern auf, nicht nur die indirekte Medienförderung voranzutreiben, sondern auch Möglichkeiten für neue Formen der Medienförderung, sei es eine indirekte oder eine direkte, zu prüfen. Das offensichtliche Marktversagen könnte eine Chance sein, überkommene Denkmuster infrage zu stellen und auch innovative Ansätze ohne Vorbehalte zu diskutieren. Zu denken wäre unter anderem auch an neue Unterstützungs- und Kooperationsmodelle, welche die starren Kategorien der direkten und indirekten Medienförderung überwinden und sich an konkreten zivilgesellschaftlichen Initiativen wie der Bewegung Courage Civil zur Förderung der Medienvielfalt in Bern orientieren.

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