Leitfaden - Verkehrssicherheit
Dieser Leitfaden richtet sich an Polizei, Medien und alle, die über Verkehrsunfälle schreiben. Gute Berichterstattung kann uns helfen, die gesellschaftliche Verantwortung für Verkehrssicherheit sprachlich stärker sichtbar zu machen. Polizei und Medien berichten oft knapp und formelhaft über Einzelfälle, die zumeist nicht in einem grösseren Zusammenhang verstanden werden. Wie viele internationale Studien legen nun auch die Analysen des Projektes Sprachkompass1 nahe, dass die sprachliche Darstellung von Verkehrsunfällen stark durch zwei Kennzeichen geprägt ist:
Verkehrsunfälle werden oft als schicksalhafte und damit unvermeidliche Vorfälle dargestellt (z. B. „Unfall fordert ein Todes-opfer“). Unpersönliche Formulierungen wie „Es kam zu einem Unfall“ lassen das Ereignis als Vorgang ohne Handelnde und ohne Ursache erscheinen. Dadurch wird der Eindruck des Schicksalhaften verstärkt.
Verkehrsunfälle werden fast immer als isolierte Einzelereignisse dargestellt, systematische Zusammenhänge damit verdeckt.
WARUM ES DIESEN SPRACH
LEITFADEN BRAUCHT
Jedes Jahr werden im Strassenverkehr in Deutschland, Öster- reich und der Schweiz rund 4‘500 Menschen getötet und 67‘000 schwer verletzt. Würden bei einem einzelnen Unfall so viele Menschen getötet, wäre die weltweite Bestürzung gross. Weil diese Tragödien aber räumlich und zeitlich verteilt sind, erhalten sie in ihrer Tragweite nur wenig Aufmerksamkeit.
Tatsächlich sind Verkehrsunfälle fast immer das Resultat menschlicher Entscheidungen, die eng mit unserem Verkehrssystem verbunden sind. Der Leitfaden zeigt, wie dieser Zusammenhang sprachlich stärker sichtbar gemacht werden kann. Die Empfehlungen gliedern sich in drei Schwerpunkte:
- Den Eindruck des Schicksalhaften vermeiden
- Sicherheitsrelevante Faktoren berücksichtigen
- Kontext berücksichtigen